Wer an Pferde denkt, hat automatisch das Bild eines kleinen Mädchens vor Augen, auf dessen Wunschzettel ein eigenes Pferd ganz oben steht. In seiner rosafarbenen Glitzerwelt ist das Thema allgegenwärtig, ob Pullover, Schulranzen oder Brotbox, und die Spielsachen bestehen aus Pferden in allen Farben und Größen. Und wenn der Traum in Form eines eigenen Pferdes oder eines Pflegepferdes wahr wird, glitzert es in Stall und am Pferd weiter.

Aber weit gefehlt! Der Pferdesport – egal ob im Freizeit- oder Turnierbereich – ist sehr viel weiter verbreitet.

Rund 3,7 Millionen Reiter in Deutschland

Insgesamt 3,7 Millionen Menschen aller Altersklassen reiten in Deutschland mehr oder weniger regelmäßig, wie eine Studie des  Instituts für Demoskopie Allensbach (Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse/AWA) 2014 bestätigt.

  • 1,17 Millionen Menschen reiten regelmäßig
  • 2,52 Millionen reiten sporadisch
  • Von den 1,17 Millionen sind 1,03 Millionen weiblich und 140.000 männlich
    (Quelle: Deutsche Reiterliche Vereinigung)

Das zeigt, dass sich der Pferdesport ungebremster Beliebtheit quer durch alle Alters- und Gesellschaftsklassen der Bevölkerung erfreut.

Pferde reiten

© Fotolia: skumer – 139260737

Was brauche ich für mein Pferd?

Die Basisausstattung für alle, die sich mit Pferden in irgendeiner Form beschäftigen, ist ein Putzkasten mit Inhalt. Ein Pferd sauber zu halten hat nicht nur optische Gründe. So wird beim täglichen Putzen kontrolliert, ob alles in Ordnung ist oder ob irgendwelche Auffälligkeiten wie Verletzungen, Mauke(eine Entzündung in der Fesselbeuge) o. ä. aufgetreten sind.

Außerdem muss ganz besonders der Bereich, in dem dann später der Sattel liegen soll, penibel gereinigt werden. Verschmutzungen können zu Satteldruck führen, der zumindest unangenehm ist für das Pferd, im schlimmsten Fall sogar dazu führen kann, dass das Pferd für einige Zeit nicht mehr reitbar ist.

Und ganz nebenbei verbringt man Zeit mit dem Pferd, lernt es kennen und es wird die Basis für ein gutes Miteinander gelegt und gefestigt.

Für die Fellpflege

Nicht alles, was es zu kaufen gibt, ist wirklich sinnvoll. Um das sogenannte Deckhaar (= Fell) sauber zu halten, sind folgende Utensilien völlig ausreichend:

  • Striegel: Gibt es als Nadel- oder Gummistriegel und dient zur Erstreinigung. Damit löst man den Schmutz. Sollte nicht für die Beine verwendet werden.
  • Kardätsche: Ist eine weiche Bürste, mit der im 2. Durchgang das Fell wieder geglättet und der gelöste Schmutz entfernt wird. Mit der Kardätsche kann man auch die empfindlichen Regionen wie Gesicht und Beine säubern.
  • Eisenstriegel: Für den ganz groben Schmutz wie getrocknete Schlammreste. Da er sehr hart ist und spitze Zacken hat, ist er nur für Hals, Rumpf und Kruppe geeignet. Knöcherne Bereiche wie Widerrist und die Beine sollten gemieden werden.

© Fotolia: Jürgen Fälchle – 98632650

Für das Langhaar (Mähne und Schweif)

Die Pflege des Langhaars ist eher optischer Natur, denn was gibt es majestätischeres als ein Pferd mit einem Behang wie ein Barbie-Pferd, wenn die Mähne seidenweich und wallend fällt und der Schweif üppig mit der Bewegung fließt.

  • Mähnenkamm oder Mähnenbürste (alternativ tut es auch eine ordinäre Bürste aus dem Drogeriemarkt)
  • Shampoo lässt das Langhaar richtig glänzen und macht es gut kämmbar
  • Mähnenspray sorgt dafür, dass Verfilzungen leichter zu lösen sind
Anmerkung
Die Art und Intensität der Pferdepflege hängt auch vom Stall und dem Stallklima ab. So spielt die Einstreu eine Rolle, am besten geeignet sind Stroh- oder Holzpellets. Wer Sägemehl verwendet, sollte unbedingt darauf achten, dass es staubfrei ist! Stroh selbst saugt nicht so gut, was Mistflecken beim Pferd hinterlässt, die schwierig zu entfernen sind. Ein Pferd das ganzjährig auf der Weide gehalten wird, ist schmutziger als eines, das im Stall steht. Hier muss besonders auf die Hufgesundheit und die Fesselbeuge (Gefahr von Mauke!) geachtet werden, wenn die Pferde viel auf unbefestigtem/matschigen Untergrund stehen.

Hufpflege

Es gilt der Spruch, ohne Huf kein Pferd! Deswegen ist der Pflege der Hufe besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

  • Hufkratzer: Ist mit oder ohne Bürste erhältlich, um den Dreck, den man aus dem Inneren des Hufes geholt hat, komplett abbürsten zu können.
  • Hufbalsam: Wird besonders im Sommer aufgetragen, wenn das Horn sehr trocken ist. Macht es wieder weich und geschmeidig.
  • Hufteer: Wird gerne insbesondere bei Problemen wie Strahlfäule angewendet. Es wirkt antibakteriell und fördert das Hufwachstum.

Natürlich gibt es darüber hinaus jede Menge mehr an Putzutensilien zu kaufen. Die hier aufgeführten Teile gehören zur Grundausstattung jeder Putzbox, die beliebig erweitert werden kann.

Wer mit dem Reitsport anfangen möchte und eine komplett neue Ausstattung benötigt, kann auf eines der zahlreichen Angebote an komplett gefüllten Putzboxen wie z. B. diese hier für 26,99 EUR  zurückgreifen, die bereits alles enthalten, was man für den Einstieg benötigt.

© Fotolia: Dan Race – 84044147

Viel hilft viel?

Die Pferdepflege ist mehr als ein sauber halten des Pferdes. Das Pferd empfindet sehr angenehm, geputzt zu werden. Es hat einen durchblutungsfördernden Effekt und hilft, abgestorbene Hautschüppchen und überflüssiges Fell loszuwerden. Auch auf den Menschen hat das Putzen eines Pferdes eine positive Wirkung. Es wirkt entspannend und hilft, einen Zugang zu dem großen Tier zu finden.

Aber Achtung! Das Pferdefell verfügt über eine Talgschicht, die thermoregulierende Eigenschaften aufweist und wasserabweisend ist. Je länger die Haare sind, desto besser der Schutz. Im Winterfell hat das Pferd außerdem noch die sogenannte Unterwolle als zusätzlichen Schutz gegen die Kälte. Beim Striegeln (also Kämmen) des Fells wird Talgschicht abgetragen. Und auch die getrocknete Schlammkruste bietet eine natürliche Schutzfunktion. Unser Pferd täglich strahlend sauber zu putzen oder gar zu waschen mag für unser eigenes Wohlbefinden zuträglich sein. Für das Wohlbefinden unseres Pferdes ist es das leider nicht. „Viel hilft viel“ gilt also in diesem Falle nicht.

Wie viel Pflege ist also tatsächlich notwendig?

Zwingend notwendig ist es, das Pferd vor dem Reiten zu putzen. Hier müssen insbesondere die Regionen gesäubert werden, die mit dem Sattelzeug in Berührung kommen, also die Sattellage und der Kopf. Unangenehme bis schmerzhafte Druckstellen können sonst die Folge sein! Auch nach dem Reiten empfiehlt es sich, zumindest die Sattellage nochmals überzubürsten, um durch die Reibung gelöste Schmutzpartikel und Hautschuppen zu entfernen.

Für ein Pferd, das nicht geritten wird, reicht es völlig aus, wenn es dreimal pro Woche oberflächig übergebürstet wird, was vor allem dem Zwecke dient, es auf Auffälligkeiten zu kontrollieren.

Muss ich mein Pferd waschen?

Beim Waschen gilt das Gleiche wie beim Putzen – je öfter gewaschen wird (insbesondere mit Shampoo, und sei es auch noch so mild), desto mehr wird das natürliche Gleichgewicht und die Schutzfunktion der Haut angegriffen. Man sollte sein Pferd also nur dann waschen, wenn es wirklich nötig ist.

  • Wenn ich mit meinem Pferd auf ein Turnier oder es zu einem anderen Anlass in der Öffentlichkeit präsentieren möchte: Strahlend sauber und glänzend wird es nur durch Waschen mit einem geeigneten Shampoo. Für den Alltag sollte man auf den „Sonntagslook“ lieber verzichten.
  • Zum Abkühlen nach starkem Schwitzen: Dabei bitte beachten, dass ein stark verschwitztes Pferd mit kaltem Wasser nicht von Kopf bis Fuß gewaschen werden sollte! Besser ist es, nur die Beine abzuspritzen und ggfs. die Sattellage.
  • Zum Abkühlen nach Verletzungen: Natürlich kann und soll man die abschwellende Wirkung von kaltem Wasser nutzen, um geschwollene Weichteile abzukühlen oder auch um Wunden auszuwaschen.

Eine Ausnahme: Der Ekzemer

Bei einem gesunden Pferd ist die Pflege also nicht besonders aufwändig, die Natur hat bestens vorgesorgt und das Pferd kommt ganz gut auch ohne menschliches Eingreifen aus. Eine Ausnahme bildet allerdings der Ekzemer.

Leider hat diese Art der Erkrankung stetig zugenommen. Ein Ekzem ist eine Allergie, ausgelöst durch den Stich der Kriebelmücken. Die Mücken lösen Juckreiz aus, das Pferd kratzt sich, die Haut entzündet sich, im schlimmsten Fall bilden sich offene, nässende Stellen, was die Mücken noch mehr anzieht. Ein Ekzemer bedeutet einen enormen Pflegeaufwand, denn um das Problem in den Griff zu bekommen, muss man konsequent folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Eindecken: Es gibt spezielle Ekzemerdecken, die besonders die stark betroffenen Stellen (Bauch, Schweif- und Mähnenansatz) so verschließen, dass keine Mücke mehr hindurchkommt. Im Extremfall muss der Ekzemer auch im Stall eingedeckt werden, auf jeden Fall aber, wenn er auf der Weide steht. In der Abenddämmerung sind die Mücken besonders aktiv!
  • Fliegenspray: Hochwirksame Fliegensprays (Repellents) empfehlen sich besonders beim Reiten. Oft werden sie auch in Kombination mit einer Decke angewendet. Alleine angewandt müsste alle paar Stunden erneut gesprüht werden. Wenn das Pferd schwitzt oder sich wälzt, lässt der Schutz nach.
  • Salzwaschungen: Wasser mit Meer- oder Gerbsalz versetzt nimmt den Juckreiz (der ursächlich ist für das Krankheitsbild), tötet Keime ab und macht die Haut unempfindlicher.
  • Einfache Öle: Im Gegensatz zu den meisten auf dem Markt erhältlichen Cremes, deren Trägermaterial Glycerin die Situation eher verschlimmert als verbessert, hilft ein Öl, z. B. Olivenöl, um die Haut zu pflegen, geschmeidig zu halten und damit die Bildung von Rissen zu verhindern.
  • Cortison: In ganz schweren, akuten Fällen sollte eine Cortison-Therapie, die vom behandelnden Tierarzt zu überwachen ist, angesetzt werden. Als Dauermedikation ist Cortison wegen der schweren Nebenwirkungen (Hufrehe, Schädigung der Leber) ungeeignet.
    Quelle: ATM

© Fotolia: encierro – 134948676

Kosten für Pferdepflege

Im Vergleich zu den anderen Kosten, die ein Pferd in Haltung und Ausstattung mit sich bringt, sind die Kosten für die Pferdepflege zumindest in der Basisausstattung als gering einzuschätzen:

  • Putzkasten komplett eingerichtet: ab 20 bis ca. 40 EUR
  • Einzelne Bürsten: 3 bis 7 EUR
  • Mähnenspray, Shampoo etc.: 10 – 15 EUR pro Flasche

Anders verhält es sich bei der Pflege von kranken Pferden. Für die Pflege eines Ekzemers kann man im Monat schnell auf einige Hundert Euro kommen. Eine Ekzemerdecke ist ab ca. 50 EUR erhältlich, z. B. diese hier. Leider halten die Decken oft nicht sehr lange, Pferde spielen miteinander, beißen in die Decke, oder das Pferd bleibt irgendwo mit der Decke hängen. Qualitativ hochwertigere Decken schlagen schnell mit 100 EUR oder mehr zu Buche, z. B. Horseware Rambo Sweet Itch. Pro Saison (Frühjahr/Sommer/Herbst) muss man mindestens 2 Decken einkalkulieren.

Fazit

Für ein gesundes Pferd ist die Pflege nicht besonders aufwändig und wird oft mehr fürs eigene Wohlbefinden und eine schöne Optik betrieben. Ein Zuviel an Pflege ist für das Pferd eher nachteilig. Die Basisausstattung eines Putzkoffers ist schon günstig zu erwerben und eignet sich damit auch sehr gut als Geschenk für pferdebegeisterte Kinder, Freunde, … Einiges gibt es aber doch zu beachten, und bevor man sich mit dem Lebewesen Pferd beschäftigen möchte, sollte man sich dem Tier zuliebe darüber informieren. Dann haben beide, Tier und Mensch, viel Freude aneinander!

Pferdepflege: So pflegen Sie Ihr Pferd richtig
5 (100%) 1 vote