Die österreichische Landwirtschaft unterteilt sich je nach Region in Nutztierhaltung oder Getreide-, Wein- und Obstanbau. Doch ganz gleich, wo man sich in Österreich befindet, eines findet man garantiert in jeder Region in der Landwirtschaft betrieben wird. Den einen oder anderen Ziegenstall. Denn Ziegen sind traditionell eine jener Tierarten, die bereits seit Jahrhunderten in Österreich von Landwirten gehalten werden und so ist der Bau eines Ziegenstalls zumindest auf den ersten Blick etwas, das gar nicht so schwer anmutet. Doch Vorsicht liebe Landwirte, der perfekte Ziegenstall braucht mehr, als eine gut belüftete und wetterfeste Konstruktion mit ausreichend Auslauf für die springfreudigen Ziegen.

Ziegenstallbau – Wie sieht der perfekte Ziegenstall aus?

Um Ziegen artgerecht halten und somit eine maximale Milchproduktion gewährleisten zu können, bedarf es eines Stalls, der an die Bedürfnisse und Vorlieben der Ziegen angepasst geplant und umgesetzt wurde. In früheren Zeiten mag man als Landwirt nicht so sehr den Fokus für die kleinen Details in der Stallplanung gehabt haben, doch schon vor Jahrhunderten wussten Landwirte überall in der Welt, eine Ziege gibt nur dann viel Milch, wenn sie zufrieden ist, ausreichend Futter hat und einen Stall bewohnt, der sie vor Kälte, Zugluft und Raubtieren zu schützen vermag.

Der richtige Ziegenstall ist wichtig weil:

  • Ziegen nur in einem guten Stallumfeld die maximale Milchleistung erbringen.
  • Bei falscher Haltung schnell Krankheiten ausbrechen und die Tiere schwächen.
  • Der Gesetzgeber vorgibt, dass Ziegen artgerecht gehalten werden müssen.

Wie also sieht dieser perfekte Ziegenstall aus und worauf gilt es zu achten, wenn man Ziegen artgerecht halten und so eine bestmögliche Milchproduktion erzielen möchte? Nun grundsätzlich setzt die Ziege an ihren Bauern denkbar wenige Ansprüche. Im direkten Vergleich mit Kühen oder Schweinen ist die Ziege sogar recht genügsam. Sie bewohnt alte nicht mehr nutzbare Maschinenhallen ebenso gerne wie alte Holzschuppen oder aber einen extra für sie erbauten Stall. Dennoch gibt es so manche Details, auf welche eine Ziege nicht wirklich verzichten möchte und dazu zählen die nun folgenden Punkte.

Ziegen bevorzugen helle, trockene Stallungen mit guter Belüftung!

Beginnen wir beim Stallklima. Wie bereits am Rande erwähnt, besteht eine Ziege nicht zwingend auf ein neues und kompaktes Stallgebäude mit allen modernen Extras. Im Gegensatz, die Ziege an sich ist ein genügsames Tier, das in alten Nutzgebäuden ebenso untergebracht werden kann, wie in klassischen Offenstallkonstruktionen. Wichtig ist der Ziege das der Stall hell und trocken ist und über eine gute Belüftung verfügt, ohne hierbei eine beständige Zugluft vorzuweisen.

Ziegen benötigen für eine artgerechte Haltung:

  • Ein Stallgebäude mit ausreichend Lichtzufuhr / Helligkeit.
  • Einen trockenen und natürlichen Boden der auch als Schlafplatz genutzt werden kann.
  • Eine ausreichende Frischluftzufuhr ohne Zugluft
  • Ausreichend Freilauffläche

Denn eines kann eine Ziege nicht leiden und das ist ein stickiges und dunkles Stallklima, in dem diverse Gerüche ebenso das Wohlbefinden der Tiere eindämmt, wie das mangelnde Tageslicht. Ja Ziegen bevorzugen ein helles Stallklima und fühlen sich aus genau diesem Grund am wohlsten, wenn sie viel Freilauf haben und frei entscheiden können, ob sie nun im Gras, auf Stroh oder aber auf einer robusten Holzkonstruktion ihre Ruhephasen verbringen. Darüber hinaus benötigen Ziegen einen Stall, in dem Zugluft nur beschränkt oder bestenfalls gar nicht gegeben ist. Denn Zugluft beeinträchtigt sehr schnell die Gesundheit der Ziegen und somit auch deren Wohlbefinden wie auch Milchleistung.

Sogenannte Offenstallkonstruktionen oder aber Stallkonstruktionen mit direkt angeschlossenem Freilauf sind somit in jedem Fall zu bevorzugen, da diese dem Bewegungsdrang der Ziege entgegen kommen und ihnen zeitgleich ein sicheres und konstantes Stallklima ermöglichen.

Wärme und Schatten – Ist den Ziegen zu kalt, geben sie weniger Milch!

Einen Aspekt vergessen viele Junglandwirte im Zuge der Stallplanung für einen Ziegenstall jedoch leider viel zu schnell und das ist die Tatsache, dass Ziegen zwar Tageslicht und eine gute Belüftung bevorzugen, hierbei jedoch auch ein gewisses Maß an Wärme und Schatten benötigen. Allem voran in den kalten Wintermonaten ist ausreichend Wärme im Stall unverzichtbar, denn nur wenn das Stallklima warm genug ist, reduziert sich die Milchleistung der Ziegen im Winter nicht spürbar.

Der perfekte Ziegenstall bietet den Ziegen:

  • Ausreichend Freilauf mit schattigen Ruheplätzen.
  • Ein konstantes Raumklima ohne spürbare Temperaturwechsel

Ziegen benötigen eine ganz spezielle Balance zwischen Licht und Schatten, Frischluft und Wärme. Nur so können sie das ganze Jahr über eine vergleichsweise gleichbleibende Milchleistung erbringen und das ganz ohne Zugabe von Kraftfutter oder umstrittenen Futtermitteln, die allem voran für die Massentierhaltung herangezogen werden.

Stroh oder Gras? Der Ziege ist´s egal, solange sie bequem liegen kann!

Und dann wäre da noch der Aspekt der Bodengestaltung. Als wahre Meister des Kletterns und perfekt an das zumal raue Bergklima angepasste Tiere, sind Ziegen auch in Sachen Bodengestaltung denkbar unkompliziert und genügsam. Ob es nun die Grünfläche vor dem Stall ist, oder aber ein Betonboden, der mit ausreichend Stroh abgedeckt wurde, solange Ziegen es sich bequem machen können und der Untergrund weder zu hart, zu kalt noch zu nasse ist, sind die Tiere bereits zufrieden. Doch natürlich sollten Landwirte gerade im Hinblick auf die Stallhygiene darauf achten, dass die Bodengestaltung des Ziegenstalls nicht nur zweckmäßig ist, sondern auch der Gesundheit der Tiere

So also sollte die Gestaltung der gesamten Stallfläche sowie der Auslaufflächen darauf ausgelegt sein, den Tieren ein artgerechtes Lebensumfeld zu bieten, das modernen Richtlinien entspricht und somit eine bestmögliche Milchleistung ermöglicht. Denn Ziegen geben nur dann viel Milch, wenn sie in einem perfekten Ziegenstall gehalten werden und den gilt es, oftmals erst noch zu planen und zu bauen.

Planung und Bau – So erhält man einen perfekten Ziegenstall!

Gilt es einen neuen Ziegenstall zu bauen, so gilt es, viele Besonderheiten und Planungsmerkmale zu bedenken. Denn obgleich grundsätzlich auch alte ausgediente landwirtschaftliche Gebäude mit einfachsten Mitteln in einen artgerechten Ziegenstall umfunktioniert werden können, ist der perfekte Ziegenstall doch weit mehr, als ein Dach und eine stabile Außenkonstruktion.

Wichtige Planungsmerkmale für den Ziegenstall im Überblick

Um den Bau eines Ziegenstalls nicht unnötig kompliziert zu gestalten, reicht es grundsätzlich, wenn man sich die wichtigsten Planungsmerkmale genauer im Detail betrachtet und dann – natürlich mit Hinblick auf geltenden gesetzlichen Regelungen und Vorgaben – die Planung zu beginnen. Grundsätzlich lassen sich die relevanten Planungsmerkmale beim Ziegenstallbau in sechs Bereiche unterteilten, diese wären:

  • Die Stallflächen
  • Die Liegeflächen
  • Die Auslaufflächen
  • Die Überdachung
  • Die Belichtung
  • Der Fressplatz

Diese sechs Bereiche sind im Zuge der Stallplanung für einen Ziegenstall entscheidend. Denn sie geben nicht nur die grundsätzliche Gestaltung des Stallgebäudes vor, sondern beziehen direkt alle essenziellen Aspekte der artgerechten Ziegenhaltung mit ein. Natürlich ist das erste grundlegende Planungsmerkmal die Stallfläche an sich.

Die Stallfläche – das zentrale Planungsmerkmal eines Ziegenstalls

Die sogenannte Stallfläche bezeichnet den gesamten Stallbereich, der von den Ziegen genutzt werden kann. Es handelt sich hierbei also um den eigentlichen Stallinnenbereich mitsamt der Liegeflächen und Fressplätze sowie den Auslaufbereich. Grundsätzlich gilt, dass die Stallfläche den rechtlichen Vorgaben entsprechen muss und je nach Art der Tierhaltung, sowie je nach Art des Tiers mindestens 0,70 Quadratmeter Platz je Tier geboten sein müssen.

Zudem müssen bei der Planung der gesamten Stallfläche wichtige Aspekte der alltäglichen Nutzung beachtet werden. So gilt es, den Zugang zum Stall zum Zwecke der Fütterung wie auch Reinigung zu bedenken und diesen einzuplanen. Ebenso muss die Belüftung der gesamten Stallfläche artgerecht ermöglicht werden, was je nach Stallkonstruktion durch ausreichend natürliche Frischluftzufuhr oder aber Belüftungssysteme ermöglicht werden kann.

Erfahren Sie hier in Kürze mehr rund um das Thema Stallfläche von Ziegenställen

Die Liegefläche – Ruhe- und Schlafplatz der Ziegen

Der Begriff Liegefläche bezeichnet jenen Bereich des Ziegenstalls, in dem die Ziegen sich zur Nachtruhe aber auch zur Erholung während des Tages zurückziehen können. Grundsätzlich sollte die Liegefläche immer den Artbesonderheiten der konkreten Ziegenart angepasst sein. Darüber hinaus gibt auch hier der Gesetzgeber Richtwerte vor, die im Zuge einer artgerechten Tierhaltung nicht unterschritten werden dürfen.

So muss zum Beispiel die Liegefläche für eine Ziege oder eine Mutterziege ohne Kitz im Falle eines Biobetriebes mindestens 0,75 Quadratmeter je Tier ausmachen. Abhängig von der Tierart und der Tierhaltung des Betriebs muss also auch die Liegefläche im Ziegenstall individuell an die tatsächlichen Bedürfnisse hin geplant und ausgelegt werden.

Erfahren Sie hier in Kürze mehr rund um das Thema Liegeflächen im Ziegenstall

Die Auslauffläche – Ziegen müssen sich bewegen können!

Die Auslauffläche gibt jenen Bereich an, der den Ziegen im Alltag für den Auslauf zur Verfügung steht. Da Ziegen Tiere sind, die sich in jedem Fall bewegen können müssen und über einen sehr hohen Bewegungsdrang verfügen, sollte die Auslauffläche niemals zu knapp bemessen sein. Aus rein rechtlicher Sicht ist das Mindestmaß von rund 1,2 Quadratmeter je Tier vergleichsweise gering angesetzt, de facto benötigen Ziegen durchaus eine größere Auslauffläche, um sich wirklich wohlfühlen und somit eine maximale Milchleistung erbringen zu können.

Aus eben diesem Grunde sollte die Auslauffläche nicht zu knapp bemessen sein und zudem dem Spieltrieb der Ziegen gerecht werden. Kleine natürliche Hindernisse wie Baumstümpfe oder aber natürliche Abhänge sind etwas, dass eine Auslauffläche in jedem Fall vorzuweisen haben sollte, um so den Ziegen all das zu bieten, was diese benötigen, um sich austoben zu können. Bietet das Gelände an sich kaum, bis gar keine natürlichen Hindernisse und Vertiefungen, so können, diese manuell durch den Landwirt erzeugt werden. So kann man zum Beispiel mit einem kleinen Holzpodest oder aber einem kleinen Holzlagerplatz ausreichend Spielmöglichkeiten für die Ziegen bieten, um so deren Bewegungsdrang artgerecht und mit einem großen Unterhaltungsfaktor für die Tiere stillen.

Erfahren Sie hier in Kürze mehr rund um das Thema Auslauffläche im Ziegenstall

Die Überdachung des Ziegenstalls

Die Überdachung bezieht sich beim Thema Ziegenstall bauen nicht direkt auf das Stallgebäude an sich, sondern vielmehr auf die Überdachung des Auslaufbereichs. Denn obgleich Ziegen nichts lieber tun, als tagsüber im Freien herumzutoben oder aber auch einmal gemütlich in der Sonne zu schlafen, brauchen sie schattige Bereiche im Auslauf, die als Ruhefläche genutzt werden könne. So schreibt der Gesetzgeber vor, dass zumindest rund 0,25 Quadratmeter je Tier im Auslaufbereich überdacht sein müssen, um so den nötigen Schatten an sonnigen Tagen zu gewährleisten und den Tieren einen trockenen Unterstand bei Regen oder Schlechtwetter zu ermöglichen.

Grundsätzlich gilt auch beim Thema Überdachung, dass diese den Besonderheiten der Ziegen angepasst sein sollten und im Hinblick auf den Spieltrieb der Ziegen so weit abgesichert sein müssen, dass die Ziegen nicht durch einen Sprung auf die Überdachung gelangen können, dass dies ein unkalkulierbares Verletzungsrisiko für die Tiere bergen könnte.

Erfahren Sie hier in Kürze mehr rund um das Thema Überdachung

Die Belichtung des Ziegenstalls

Um Ziegen artgerecht halten zu können, gilt es eine ausreichende Belichtung im gesamten Ziegenstall zu gewährleisten. Dies bezieht sich natürlich primär auf den Innenbereich der Stallung, jedoch auch auf den Außenbereich, wenn dieser zu großen Teilen baulich geschlossen ist. Auch hierfür hat der Gesetzgeber klare Richtwerte aufgelegt, die von allen Landwirten in Österreich eingehalten werden müssen. Je nach Art der Tierhaltung gilt es, ein Mindestausmaß an Fenstern und sonstigen transparenten Flächen von rund 3 Prozent der gesamten Stallfläche zu gewährleisten. Zudem muss noch für eine Mindestlichtstärke gesorgt werden, die einen Wert von 40 Lux über einen Zeitraum von 8 Stunden nicht unterschreiten sollte.

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass ein Ziegenstall nach Möglichkeit den Bedürfnissen der Ziegen nach einem hellen und trockenen Lebensumfeld entsprechen muss. Aus diesem Grunde eignet sich nicht jede Form von Gebäude, um darin einen Ziegenstall unterzubringen, da allein die rechtliche Grundlage der transparenten Stallflächen oftmals in alten Nutzgebäuden nicht gewährleistet werden kann.

Erfahren Sie hier in Kürze mehr rund um das Thema Belichtung im Ziegenstall

Der Fressplatz – wichtige Grundlage der artgerechten Fütterung

Unverzichtbar in jedem Stall ist der Fressplatz. Im Ziegenstall gilt es einige Besonderheiten zu beachten, wenn der Fressplatz geplant und letztlich umgesetzt werden soll. Allem voran die beiden grundsätzlichen Fütterungsarten, nämlich die zeitlich begrenzte und zeitlich unbegrenzte Fütterung der Tiere, ist hierbei entscheidend dafür, wie der Fressplatz letztlich gestaltet werden kann oder muss.

Grundsätzlich gibt auch in Bezug auf den Futterplatz der Gesetzgeber gewisse Richtwerte vor, die in jedem Fall eingehalten werden müssen und die wie so oft, von der Tierart und der Haltungsart abhängig sind. Pauschal lässt sich sagen, dass bei einer zeitlich begrenzten Fütterung für jede einzelne Ziege ein Fressplatz vorhanden sein muss. Bei einer zeitlich unbegrenzten, also beständig verfügbaren Futterquelle hingegen gibt der Gesetzgeber vor, dass für maximal 3 Ziegen ein Fressplatz vorhanden sein muss. Diese Vorgaben sind jedoch nur Mindestvorgaben und sollten somit in jedem Fall ausreichend Fressplätze gegeben sein, um alle Tiere nach Möglichkeit zeitgleich mit Futter versorgen zu können und so Futterstreitigkeiten unter den Ziegen zu vermeiden.

Erfahren Sie hier in Kürze mehr rund um das Thema Fressplätze im Ziegenstall

Ziegenstall damals und heute – so hat sich die Ziegenhaltung über die Jahre hinweg verändert!

Die Ziegenhaltung gibt es in Österreich seit Jahrhunderten und beinahe ebenso lange gibt es die unterschiedlichsten Arten von Ziegenställen. Früher kaum mehr als Verschlag, in dem die Tiere mit einfachen Gattern über Nacht untergebracht wurden, wandelte sich das Bild des klassischen Ziegenstalls nach und nach. In vielen Teilen des Landes war es gar üblich, die Tiere zumindest im Winter mit in die Wohngebäude zu holen doch das ist zum Glück heute weder nötig noch geduldet.

Heute ist der Ziegenstall ein Stallgebäude, das den Bedürfnissen der Tiere gerecht wird. Ausreichend große Stallflächen und Auslaufflächen, ein trockenes und gleichbleibendes Stallklima und gut durchlüftete und belichtete Stallungen sorgen dafür, dass Ziegen in der heutigen Zeit artgerecht gehalten werden und so ein glückliches Leben führen können und das trotz dem stetig steigenden Druck, der auf Bauern lastet.

Manches mag sicherlich mit Blick in die Vergangenheit komplizierter geworden sein, doch alles in allem leben Ziegen in der heutigen Zeit weit glücklicher und artgerechter als je zuvor. Denn heute wissen wir um die Auswirkungen einer falschen Haltung auf die Milchleistung der Ziegen, und da die Leistung in der heutigen Zeit ein primärer Aspekt der Landwirtschaft ist, müssen Ziegen nicht mehr in zu engen und zu wenig belüfteten Räumen verweilen. Sie können fressen, toben und laufen und genauso soll es auch sein, das Leben der Ziegen in einem passenden und artgerechten Ziegenstall.

Ziegenstall: Bau & Planung
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