Der Sommer 2018 bleibt im Gedächtnis. Seit Anbeginn der Wetteraufzeichnung hat es nie solch einen sonnenreichen, warmen – und trockenen – Sommer gegeben. Was für Winzer wunderbar war und für grandiose Oliven im eigenen Garten sorgte, hieß für andere Landwirte aber häufig ein Problem. Je nach Untergrund und Aussaat war die Dürre eine ernsthafte Schwierigkeit und manche Bauern konnten nicht einmal genug Ernten einfahren, um die eigenen Hoftiere zu ernähren. Das hätte auch Auswirkungen auf die Nachfrage nach Landmaschinen haben können, doch im Falle des Unternehmens Claas konnten zwar die Gewinnprognosen nicht erzielt werden, der Umsatz stieg jedoch trotz Dürre und Sommer an. Aber woran liegt das? Dieser Artikel schaut sich das Thema und die Auswirkungen des Klimawandels einmal an.

Abbildung 1: Die Dürre in unseren Gefilden hat die Landwirtschaft vor große Probleme gestellt.

Innovative Ansätze als Umsatzmotor

Für gewöhnlich war es immer so, dass Landwirte zwei Möglichkeiten hatten. Entweder sie schufen sich einen vollständigen Fuhrpark an, der kostspielig ist. Gute Traktoren und Landmaschinen kosten weit in den sechsstelligen Bereich hinein, hinzu kommt natürlich der Unterhalt der Geräte. Die zweite Option hieß, Ernteunternehmer zu beauftragen, die an einem festgelegten Termin die Ernte einholen. Diese Lösung ist teilweise sinnvoll, birgt aber auch ein Risiko. So müssen die Termine vorab festgelegt werden. Was heißt: Die Weizenernte kann auch mitten im Starkregen stattfinden und das Stroh praktisch unbrauchbar werden. Der Landmaschinenhersteller Claas ebnet nun einen dritten Weg und bietet eine Kurzzeitmiete an:

  • Pilotprojekt – im Rahmen des Pilotprojektes konnten Landwirte, aber auch Unternehmen, Traktoren für einen eng begrenzten Zeitraum mieten. Der Traktor wird so praktisch zum Mietwagen der Landwirtschaft.
  • Fahrzeuge – es gibt unterschiedliche Miettraktoren mit bis zu 400 PS. Der Service ist deutschlandweit gültig.
  • Zeitraum – die Mietzeiträume sind flexibel und beginnen bei einer Woche. Bis zu ein Jahr können Bauern Traktoren am Stück mieten.
  • Kosten – hier wird die 40-Stundenwoche als Vorbild benommen. Umso länger die Mietdauer, desto geringer der Stundenlohn.
  • Versicherung – alle Fahrzeuge sind teilkaskoversichert. Fällt ein Fahrzeug aus, wird innerhalb von 48 Stunden Ersatz bereitgestellt.

Das Pilotprojekt war so erfolgreich, dass schon während des Tests die Fahrzeugzahl verdoppelt werden konnte. Für Landwirte ist diese Idee praktisch, denn sie können ihren Fuhrpark sehr kurzfristig aufstocken, um beispielsweise schnell die Ernte einzufahren. Alternativ liegt der Betrieb nicht lahm, wenn der eigene Traktor ausfällt. Dieser Idee verdankt der Landmaschinenhersteller Claas unter anderem den großen Erfolg. Jedoch konnten nicht alle Landmaschinenhersteller ein Plus im letzten Jahr verzeichnen. Die richtigen Lottozahlen würden für diese wohl gerade recht kommen.

Was die Dürre für viele Landwirte bedeutet

Was für viele Bürger einfach nur ein traumhafter Sommer war, wurde für Landwirte zu einem Problem. In ganz Europa breitete sich die Dürre aus und, je nach Ort, wuchs erst das Gras nicht, dann kein Weizen und später blieb der Mais weit hinter den Erwartungen zurück – wenn er überhaupt wuchs. Es gab genügend Bauern, die den Mais kurzerhand abmähten, um die kläglichen Kolben irgendwie nutzen zu können. Auf der anderen Seite hießen Hitze und Dürre auch Vorteile für andere Landwirte:

  • Raps – wer Raps anpflanzte, hatte praktisch eine traumhafte Ernte. Die Pflanzen trockneten auf dem Feld perfekt ab und konnten ohne Verluste geerntet werden. Es war keine Nachtrocknung nötig, die Körner kamen so trocken in die Scheune, dass kein Schimmel drohte.
  • Oliven/Tomaten – was sonst in Österreich und Deutschland gar nicht oder halbwegs wächst, kam 2018 mit aller Wucht. Olivenhaine gibt es mittlerweile bis ins deutsche Rheinland.
  • Mais – hier gibt es Unterschiede. Nicht alle Landwirte klagten über Ernteausfälle, was mit daran liegt, dass der Boden ursächlich ist. Speichert er gut Feuchtigkeit, konnten die Pflanzen auch trotz Dürre gedeihen. Auf sandigen Böden hingegen trockneten die Pflanzen aus.

Landwirte, die medizinisches Cannabis anbauten, hatten übrigens in diesem Jahr ein absolutes Glücksjahr. Selbst im Freien wuchsen die Pflanzen perfekt.

Gibt es Hoffnung für das nächste Jahr?

Hoffnung gibt es freilich immer, doch sind Prognosen so gut wie ausgeschlossen. Sicher ist nur, dass der Klimawandel – ob natürlich oder menschgemacht – eingetroffen ist. Und das bedeutet:

  • Längere Wetterlagen – bleibt der Passatwind so ruhig, wie in diesem Jahr, halten sich die Wetterlagen auch in Zukunft länger. Mit allerlei Folgen: Dürre, Überschwemmung oder auch Kälte.
  • Hitze – heiße Tage oder gar heiße Monate werden künftig auch häufiger sein.
  • Dürre/Überschwemmung – je nach Wetterlage kann es künftig zu langen Dürreperioden oder auch häufigen Überschwemmungen kommen.

Landwirte können das Wetter nicht ändern, sie können sich nur auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Und das ist – je nach Ausrichtung – auf mehreren Wegen möglich:

  • Hochacker – Erdbeeren, aber auch Kartoffeln, Karotten oder Staudengewächse können im Hochacker platziert werden. Die Äcker sind nicht nur leichter zu ernten, sie sind auch überdacht und trocknen somit weniger aus. Zudem lassen sie sich besser bewässern.
  • Bewässerungsanlagen – auf allgemein trockenen Äckern sollten natürlich die Pflanzen angepflanzt werden, die mit Trockenheit zurechtkommen. Ansonsten helfen nur Bewässerungsanlagen. Diese sind teuer, könnten aber in Zukunft für viele Landwirte die Rettung sein.
  • Umstellung – es wird bereits an Sorten geprobt, die mit Hitze und Dürre zurechtkommen. Viele alte Getreidesorten zählen hierzu. Aktuell werden sie so veredelt, dass sie widerstandsfähiger sind. Generell ist es denkbar, dass Landwirte ihre gesamte Landwirtschaft auf andere oder neue Sorten umstellen. Dies betrifft insbesondere Landwirte, die den eigenen Viehbestand vollständig mit eigenem Futter versorgen.

Es ist ziemlich sicher, dass sich die Landwirtschaft umstellen muss, um mit neuen Gegebenheiten umgehen zu können. Dürre – aber auch andere extreme Wetterperioden – werden künftig häufiger vorkommen und zu Ernteausfällen oder anderen Problemen führen.

Abbildung 2: Wie rau werden die Zeiten in Zukunft?

Fazit – neue Modelle auf allen Seiten

Claas konnte das Geschäftsjahr mit einem dicken Plus abschließen, da sie die durch die Dürre gesunkene Nachfrage mit dem Leih-Traktor ausgleichen konnten. Dieses Modell scheint sich aktuell zu lohnen und es ist mehr als denkbar, dass auch andere Landmaschinen mit in das Mietmodell aufgenommen werden. Landwirte hingegen müssen sich ebenfalls umstellen und schauen, wie sie Hitze und Dürre – oder andere Extreme – überstehen können. Wie das nächste Jahr wird und ob erneut Trockenheit einsetzt, kann aktuell niemand sagen, sicher ist nur, dass solche Extreme häufiger werden. Gut ist, wenn die Landwirtschaft dafür gerüstet ist.

Bildquellen:

  • Abbildung 1: @ jodylehigh (CC0-Lizenz) / pixabay.com
  • Abbildung 2: @ stevepb (CC0-Lizenz) / pixabay.com