Überall da, wo Menschen im öffentlichen Verkehrsraum tätig werden oder aber sich unbestimmte Zeit aufhalten, muss gemäß der europaweit geltenden gesetzlichen Vorgabe der sogenannte Warnschutz gewährleistet sein. Man kennt ihn nicht zuletzt von den verpflichtenden Warnwesten im Pkw oder von Mitarbeitern der Straßenverkehrsbetriebe und der Müllabfuhr. Doch was genau ist der Warnschutz, was bewirkt er und worauf gilt es zu achten, wenn dieser im beruflichen Umfeld per Gesetz vorgeschrieben ist?

Warnschutz – Was ist ein Warnschutz und wie funktioniert er?

Grundsätzlich wird mit dem Begriff Warnschutz eine Besonderheit der sogenannten persönlichen Schutzausrüstung bezeichnet, die vordergründig im öffentlichen Straßenraum zu tragen ist und dafür Sorge trägt, dass der Träger selbst bei schlechter Witterung (zum Beispiel Nebel, Starkregen etc.) und in den Nachtstunden von Autofahrern frühzeitig erkannt werden kann. Der Warnschutz ist somit jenes optische Schutzmerkmal zahlreicher Berufsbekleidungen, welches dazu dient, dessen Träger im Straßenverkehr frühzeitig erkennbar zu machen und somit Unfälle zu vermeiden.

Wie funktioniert der Warnschutz?

Berufsbekleidung mit Warnschutz ermöglicht ein verstärktes Maß an Sicherheit im öffentlichen Straßenraum, da diese den Träger selbst bei schlechtester Witterung frühzeitig erkennbar macht. Möglich machen dies zwei besondere Bestandteile des Warnschutzes. Das fluoreszierende Hintergrundmaterial sowie das retroreflektierende Hauptmaterial, die in Kombination miteinander das einfallende Licht auf das Material zurückwerfen und somit eine bessere Erkennbarkeit ermöglichen.

Die Funktionsweise des Warnschutzes ist somit denkbar einfach. Treffen Lichtstrahlen (zum Beispiel von einem Fahrzeugscheinwerfer) auf das fluoreszierende Hintergrundmaterial, werden diese zunächst durch die besonderen Materialeigenschaften verstärkt. Zusätzlich sorgt das retroreflektierende Hauptmaterial des Warnschutzes dafür, dass die eingefallenen und durch das fluoreszierende Hintergrundmaterial verstärkten Lichtstrahlen zurückgeworfen werden. So wird der sich nähernde Fahrzeugführer auf das Hindernis aufmerksam gemacht und die Unfallgefahr sinkt nachweislich.

Einsatzgebiete & Rechtsgrundlage – Wann und wo findet der Warnschutz Anwendung?

Ursprünglich zur Vermeidung von Unfällen im Zuge von Straßenarbeiten und Rettungseinsätzen bei schlechten Witterungsverhältnissen konzipiert, stellt der Warnschutz in der heutigen Zeit in vielen Bereichen des öffentlichen Straßenverkehrs eine unverzichtbare und per Gesetz vorgeschriebene Schutzmaßnahme für diverse Berufsgruppen dar. Mitunter zählt der Warnschutz für folgende Aufgabenbereiche zur unverzichtbaren persönlichen Schutzausrüstung:

  • Straßenarbeiten im öffentlichen Raum im Allgemeinen
  • Straßenarbeiten bei schlechten Sichtverhältnissen / starkem Verkehrsaufkommen
  • Arbeiten an Eisenbahnanlagen
  • Arbeiten mit Transporttätigkeiten (z.B.: Ladetätigkeit)
  • Arbeiten im Zuge von Rettungsarbeiten

Neben diesen Berufsgruppen schreibt der Gesetzgeber zudem seit dem 01. Juli 2014 das Tragen einer Schutzweste mit Warnschutz im Zuge eines Unfalls oder einer Autopanne zwingend vor. Mit Inkrafttreten dieser Verordnung wurde somit das Tragen von Warnschutzbekleidung im öffentlichen Straßenverkehr auch für private Personen verpflichtend und drohen Busgelder bei Missachtung dieser Verordnung.

Rechtliche Grundlage und Anforderungen rund um den Warnschutz

Warnschutz und Arbeitssicherheit

Der Warnschutz ist eine wichtige Grundlage der Arbeitssicherheit!
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Der Warnschutz ist in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union grundsätzlich durch die Richtlinie DIN EN 471 – Warnbekleidung – reguliert und gilt diese Regulierung als verpflichtend für all jene berufliche Tätigkeiten, die gemäß der Verordnung und / oder weiterer rechtlicher Grundlagen des Arbeitsschutzes zum Tragen von Warnschutzbekleidung verpflichtet sind. Je nach Tätigkeitsbereich können zudem weitere DIN Normen zum Tragen kommen, hierzu zählen mitunter:

  • DIN EN 340 Schutzbekleidung
  • DIN EN 343 Schutzkleidung gegen Regen
  • DIN EN 342 Schutzbekleidung gegen Kälte
  • DIN EN 469 Schutzkleidung für die Feuerwehr
  • DIN EN 1149-1 Schutzkleidung mit elektrostatischer Eigenschaft

Zudem geben die rechtlichen Grundlagen der europäischen Normen wichtige Anforderungen an die Warnschutzbekleidung vor. Diese werden über einheitliche Standards und Prüfverfahren gewährleistet und sind am Aufdruck des sogenannten CE-Zeichens erkennbar. So muss zum Beispiel jede Form der Warnschutzbekleidung umfassende Informationen zur Schutzwirkung und den rechtlichen Anforderungen am Produkt oder aber dessen Verpackung ausweisen. Folgende Angaben sind hierbei rechtlich vorgegeben:

  • Herstellerinformation inkl. Name und Adresse
  • Artikelbezeichnung inkl. Artikelname und Artikelnummer
  • Schutzklassifizierung in Form von DIN Norm sowie Warnschutzklasse
  • Angaben zur Materialzusammensetzung
  • Angaben zur Pflege und Reinigung
  • Angaben zur Größe gemäß EN 340

Grundsätzlich gelten nur jene Warnschutzbekleidungsstücke als rechtliche zulässig, die alle relevanten Angaben in der vorgesehenen Form vorweisen. Produkte ohne klare Kennzeichnung oder aber mit mangelhafter Auszeichnung gelten als nicht ordnungsgemäß und können im Falle einer Kontrolle erhebliche Bußstrafen nach sich ziehen.

Warnschutzklassen – Welche Klassen gibt es für den Warnschutz?

Obgleich der Warnschutz europaweit durch die europäische DIN EN 471 reguliert ist, wird sogenannte Warnschutzbekleidung in unterschiedliche Schutzklassen, die aufgrund ganz besonderer Eigenschaften unterschiedlichen Einsatzbereichen zuzuordnen sind, unterteilt. Grundsätzlich gibt es drei Schutzklassen für Warnschutzbekleidung.

Schutzklasse 1 Schutzklasse 2Schutzklasse 3
fluoreszierendes Hintergrundmaterial Mind. 0,14 m² Mind. 0,5 m²Mind. 0,8 m²
retroreflektierendes MaterialMind. 0,10 m²Mind. 0,13 m²Mind. 0,2 m²
Länge bei 5cm breiten StreifenMind. 2 MeterMind. 2,6 MeterMind. 4 Meter




Achtung bei der Wahl der Warnschutzklasse!
Obgleich der Warnschutz basierend der Vorgaben durch die Richtlinie DIN EN 471 drei Warnschutzklassen kennt, gilt die Schutzklasse 1 in Österreich wie auch Deutschland ans „nicht im professionellem Bereich anwendbar“. Der Kauf einer Warnschutzbekleidung mit der Schutzklasse 1 ist somit für den beruflichen Zweck nicht empfehlenswert!

Warnschutzklasse 1 – die niedrigste Schutzklasse für Warnschutzbekleidung

Die erste Schutzklasse des Warnschutzes ist zugleich die niedrigste Warnschutzklasse und in Österreich wie auch Deutschland de facto mehr bürokratisches Erbe, denn tatsächlich nutzbare Schutzoption. Denn die Warnschutzklasse 1 gilt aufgrund ihrer mindeste Werte hinsichtlich der Materialeigenschaften als nicht mehr zeitgemäß.

Obgleich im professionellem Einsatz nicht mehr den geltenden Anforderungen entsprechend findet man die Warnschutzklasse 1 jedoch noch an einigen durchaus bekannten und verbreiteten Warnschutzbekleidungsstücken, die zumeist im Bereich der privaten Absicherung oder aber modischer Trends zu finden sind. So zum Beispiel können folgende Bekleidungsstücke über einen Warnschutz der Schutzklasse 1 verfügen:

  • Reflexgeschirr
  • Reflexgürtel
  • Reflexgamaschen
  • Rundbundhosen

Grundsätzlich gilt, dass die Warnschutzklasse eins im beruflichen Umfeld nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht, dennoch kann sie noch zum Einsatz kommen. So zum Beispiel gilt diese Schutzklasse für Besucher eines Betriebsgeländes mit Warnschutzpflicht als ausreichend, wenn diese von einer Person mit Warnschutzbekleidung (mindestens. Stufe 2) begleitet werden. Alles in allem ist die Warnschutzklasse 1 jedoch ein Relikt vergangener Zeiten und findet man diese somit kaum noch im Fachhandel für Berufsbekleidung.

Warnschutzklasse 2 – die mittlere Schutzklasse für Warnschutzbekleidung

Verkehrsweste mit Warnschutz

Warnweste für den Straßenverkehr verfügen über einen Warnschutz der Stufe 2!
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Die zweite Schutzklasse des Warnschutzes stellt die gängigste Form des Warnschutzes in Österreich wie auch Deutschland dar und ist zugleich die mittlere Schutzstufe im Bereich der Warnschutzbekleidung.

Mit einer durchaus guten Schutzfunktion ausgestattet findet man diese Schutzklasse nicht nur in diversen Berufsbereichen wie zum Beispiel dem Entsorgungsbereich oder aber diversen Unternehmensbereichen, nein auch die seit 01. Juli 2014 verpflichtend mitzuführende Warnweste für Kraftfahrzeugfahrer fällt in den Bereich der Warnschutzklasse 2. Somit findet man diese Schutzklasse mitunter an folgenden Bekleidungsstücken:

  • Verkehrswesten
  • Latzhosen mit Warnschutz
  • T-Shirts und allgemeine Oberbekleidung mit Warnschutz
  • Fußbekleidung und Fußgamaschen mit Warnschutz

Die Warnschutzklasse zwei gilt als die meist verbreitete Warnschutzklasse in Europa, da sie für beinahe alle Bereiche des Warnschutzes im öffentlichen Verkehr mit ausreichenden Sichtverhältnissen zulässig ist.

Warnschutzklasse 3 – die höchste Schutzklasse für Warnschutzbekleidung

Die dritte Warnschutzklasse ist zugleich die höchste aktuell verfügbare Schutzklasse im Bereich der Warnschutzbekleidung. Diese Klasse gilt als verpflichtend für all jene Personen, die im öffentlichen Raum tätig sind und aufgrund eingeschränkter oder schlechter Sichtverhältnisse und / oder einem erhöhten Verkehrsaufkommen mit ggf. erhöhter Geschwindigkeit einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Hochwertig in ihren Schutzeigenschaften und mit einem maximalen Wert an Schutzmaterial bietet die Warnschutzklasse drei einen in der Regel sehr guten Schutz im öffentlichen Straßenraum, weswegen sie vordergründig für folgende Bekleidungsstücke verwendet wird:

  • Warnschutzmäntel
  • Warnschutzjacken
  • Warnschutzhosen / Warnschutzlatzhosen
  • Overalls mit Warnschutzfunktion
  • Zweitteilige Arbeitskleidung (z.B.: Anzüge für Eisenbahnmitarbeiter, den Straßendienst oder der Autobahnmeisterei)
  • Bekleidungsergänzungen (Gürtel, Geschirre etc.)

Als höchste und somit wirksamste Warnschutzklasse findet die Schutzklasse drei allem voran im öffentlichen Dienst an Straßen und Autobahnen Einsatz. Doch auch im Transportwesen, dem Nah- wie auch Fernverkehr (zum Beispiel an Flughöfen) und natürlich im Rettungswesen ist die Schutzklasse drei des Warnschutzes unverzichtbar. Zudem empfehlen Experten auch im nicht zwingend vorgeschriebenen Einsatz den Warnschutz der Klasse drei zu bevorzugen, da dieser die besten Schutzeigenschaften vorweist und somit eine bestmögliche Unfallvermeidung ermöglichen kann.

Warnschutzbekleidung – Welche Arbeitsbekleidung mit Warnschutzfunktion gibt es?

Längst zählt der sogenannte Warnschutz zu einem wichtigen und unverzichtbaren Bestandteil der allgemeinen Sicherheit im öffentlichen Straßenverkehr sowie dem Arbeitsschutz für zahlreiche Berufsgruppen. Entsprechend vielseitig sind die gebotenen Arbeitsbekleidungen, die über eine Warnschutzfunktion verfügen. Zu den gängigsten Arbeitsbekleidungsstücken mit Warnschutz zählen die nun folgenden:

Warnschutzweste

Die klassische Warnschutzweste ist allem voran im Bereich der Absicherung von Gefahrenstellen im öffentlichen Straßenverkehr für Arbeiter wie auch Privatpersonen zwingend vorgeschrieben. In Orange oder Geld erhältlich kann sie problemfrei über die normale Bekleidung übergestreift werden und bietet somit ohne besonderer Berufsbekleidung einen guten bis sehr guten Schutz (abhängig von Verarbeitung, Schutzklasse und Sichtbedingungen) vor den Gefahren im Straßenverkehr.

Mindestvoraussetzungen an Warnschutzwesten sind:

  • CE-Zeichen (Zertifizierung)
  • DIN EN 471
  • Mindestens Warnschutzklasse 2

Abhängig vom Einsatzbereich müssen Warnschutzwesten zudem weiteren DIN EN Normen entsprechen und somit eine, dem Einsatzbereich entsprechende, Schutzwirkung vorweisen. Dies gilt mitunter für Rettungsdienste oder Einsätze im direkten Umfeld eines erhöhten Verkehrsaufkommens.

Warnschutzjacke und Warnschutzmantel

Zumeist in den kälteren Jahreszeiten getragen ist die klassische Warnschutzjacke und der etwas weniger verbreitete Warnschutzmantel ein wichtiges Arbeitsutensil zahlreicher Berufsgruppen. Ob im Straßendienst, dem Straßenbau oder aber für Rettungseinsätze, die Warnschutzjacke ist ein unverzichtbares Bekleidungsstück der persönlichen Berufs- und Schutzbekleidung mit wichtiger Warnschutzfunktion.

Mindestvoraussetzungen an Warnschutzjacken und Mäntel sind:

  • CE-Zeichen (Zertifizierung)
  • DIN EN 471 (ggf. weitere)
  • Warnschutzklasse 3

Grundsätzlich gilt, dass es auch Warnschutzjacken und Mäntel gibt, die lediglich eine Schutzklasse zwei vorweisen, diese sind jedoch in vielen beruflichen Einsatzbereichen nicht ausreichend und so dominiert die höchste Schutzklasse in diesem Bereich der Warnschutzbekleidung, die nicht selten auch im Bereich der Forstbekleidung zum Einsatz kommt.

Warnschutzhose

Für unzählige Berufsgruppen wie zum Beispiel den Straßendienst, die Entsorgungsbranche aber auch das Transportwesen unverzichtbar ist die sogenannte Warnschutzhose. Hierbei handelt es sich um eine besondere Art der Arbeitshose, die neben zahlreichen Produkteigenschaften zusätzlich über Warnschutzfunktionen verfügt und somit eine wichtige Grundlage der Unfallvermeidung darstellt.

Mindestvoraussetzungen an Warnschutzjacken und Mäntel sind:

  • CE-Zeichen (Zertifizierung)
  • DIN EN 471 (ggf. weitere)
  • Mindestens Warnschutzklasse 2

Um die Schutzeigenschaften der Warnschutzhose in Anspruch nehmen zu können, ist es unverzichtbar diese immer über dem Schuh zu tragen und somit die reflektieren Materialien nicht vom Material der Schuhe zu verdecken. Denn nur so kann die Schutzwirkung der Warnschutzhose (deren primäre Reflextionsbereiche im unteren Fußbereich angebracht sind) zum Tragen kommen und selbst bei eingeschränkten Sichtverhältnissen unfallvermeidend wirken.

Sonstige Warnschutzprodukte

Neben den klassischen Warnschutzbekleidungsstücken gibt es auch eine Vielzahl an sonstigen Warnschutzprodukten, die zum Beispiel in Form eines reflektierenden Geschirrs oder aber Gamaschen für den Beinbereich das Unfallrisiko bei eingeschränkter Sicht reduzieren kann.

Grundsätzlich muss gesagt werden, dass all diese Warnschutzprodukte zumeist für den privaten Bereich konzipiert sind und somit weder in ihrer Wirkungsweise noch deren Reglementierung durch die Gesetzgebung mit klassischen Warnschutzbekleidungsstücken vergleichbar sind. Dennoch verfügen sie bei ausreichender Schutzklasse und Zertifizierung über einen entsprechenden Warnschutz der im öffentlichen Straßenraum, wie auch im Forst und auf Unternehmensgrundstücken die Unfallgefahr nachweislich reduzieren können.

Weiterführende Informationen

Obgleich die in diesem Artikel bereitgestellten Informationen und Hinweise zum Thema Warnschutz nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und aufbereitet wurden, können wir keinerlei Gewährleistung für die Vollständigkeit oder Korrektheit der gebotenen Informationen gewährleisten. Umfassende Informationen zum Thema Warnschutz können bei den nun folgenden behördlichen Einrichtungen erfragt werden:

Zudem bieten folgende Internetauftritte, Informationen zum Thema Warnschutz und persönliche Schutzausrüstung und deren rechtlicher Regulierung:

Warnschutz
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